Was machen wir
und warum?

Künstliche Intelligenz, Arbeitswelt 4.0 und der Klimawandel: Das sind nur drei Beispielhafte Entwicklungen eines sich immer stärker beschleunigenden technologischen Fortschritts. Innovationen und Veränderungen wirken sich nicht nur auf einzelne Staaten aus, sondern verändern und beeinflussen die menschliche Zivilisation als Ganzes. Die Veränderung unserer Umwelt durch übermäßige CO2-Emission ist dabei nur ein Beispiel, an dem sichtbar wird, dass solche Entwicklungen nicht ungeplant und unkontrolliert geschehen sollten. Die Entwicklung von technischen Werkzeugen und Sozialtechnologien, die in den letzten 200 Jahren so schnell wie noch nie stattfand, hat nicht zufällig parallel eine Gesellschaftsstruktur hervorgebracht, in der Auswirkungen gemeinsam besprochen werden können: Eine öffentliche Demokratie.

Sei es der Streit zwischen zwei Parteien, der Versuch Wissen zu erlangen oder ein Verwaltungsakt: Die Prinzipien Transparenz und Öffentlichkeit finden sich im Zentrum der europäischen Moderne. Sie waren dabei sicherlich nie unumkämpft. So mussten sich etwa Frauen ihr gleiches Wahlrecht erst erstreiten. Die Öffentlichkeit, die zum Beispiel die Frauenbewegung erschuf und für sich beanspruchte, führte so Anfang des 20. Jh., im Zusammenhang mit der Sozialdemokratie und der Arbeiter*Innenbewegung,  dazu dass sich ein egalitäres Wahlrecht und ein erster Entwurf einer sozialpflichtigen Gesellschaft, mit Sozial- und Krankenversicherungen, konstituieren konnte. In der Demokratie und ihrem spezifischem Raum sehen wir die Voraussetzung dafür, verantwortlich und gemeinsam mit gesellschaftlichen Erneuerungen und Restrukturierungen umzugehen.

Moderne gibt es nicht nur in Literatur, Musik und Kunst. Moderne ist genauso ein Begriff der Zeitgeschichte, der Gegenwart – und ihrer Bewertung. Auch wenn die klassische Moderne bereits als beendet gilt, die Industriemoderne in Europa vorbei zu sein scheint und die Postmoderne sich als Reflexion der Moderne seit Jahrzehnten austobt: Wir glauben an die Idee der Moderne. In ihren vielfältigen historischen Erscheinungsformen liegen Visionen und Hoffnungen begraben. Ein Blick in die Vergangenheit, auf die klassische Moderne und ihre Widersprüche, hilft uns, Ideen für die Zukunft zu entwickeln.

Die IDM fühlt sich dem Geist der Moderne verpflichtet, sucht nach ihren unabgegoltenen Versprechen und will dabei nicht ihre Verfehlungen verheimlichen. Zur Moderne gehören Kolonialismus, Sexismus, Kapitalismus und Versklavung. Ebenso enthält die Moderne mit dem Versprechen der Demokratie den Gedanken der Emanzipation des Individuums in einer sozialpflichtigen Wohlstandsgesellschaft.

Das Nachdenken über diese Fragen kann, ganz im Sinne der Moderne, kein Projekt von Einzelnen bleiben. Durch Preise, Stipendienprogramme und Tagungen wollen wir Wissenschaftler*Innen aller Qualifikationsgrade und aller Disziplinen eine Plattform bieten. In Publikationen, Zeitungen oder auch künstlerischen Darbietungen sollen Forschungsergebnisse und Denkprozesse einer interessierten Öffentlichkeit nahegebracht werden. Wir sehen uns dabei insbesondere gesellschaftlichen Bewegungen verpflichtet, die im Sinne unserer Überzeugungen im öffentlichen Raum bewegen. Vor allem aus wissenschaftlicher Perspektive suchen wir den aktiven Austausch mit Bewegungen wie Fridays for Future oder Gesundheitsbündnissen in Krankenhäusern, die sich für eine Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung im Interesse von Patient und medizinischem wie Pflegepersonal einsetzen. Wir wollen ihr Wissen und ihre Erfahrung in unseren Reflexionsprozess mit einbeziehen und umgekehrt mit ihnen gemeinsam verstehen, wie Demokratie und Moderne im 21. Jahrhundert ihrem eigenem Anspruch gerecht werden können.